Britische Lebensversicherung: was von dem Renditeversprechen übrig geblieben ist

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Das Wichtigste in Kürze

  • Britische Lebensversicherung ist kein einzelnes Produkt, sondern ein Sammelbegriff für With-Profits-Policen mit hoher Aktienquote, geglätteter Überschussverteilung und einem großen Anteil der Leistung im nicht garantierten Schlussbonus.
  • Der Bundesgerichtshof entschied am 11. Juli 2012 in fünf Verfahren zu Policen des Typs Wealthmaster Noble der Clerical Medical Investment Group, unter anderem IV ZR 122/11 und IV ZR 271/10, und sprach Anlegern Ansprüche auf Zahlung nach den Auszahlungsplänen sowie Schadensersatz wegen fehlerhafter Aufklärung zu.
  • Besonders betroffen waren kreditfinanzierte Rentenmodelle aus der Zeit um die Jahrtausendwende, bei denen die zugesagten Ausschüttungen die Darlehenszinsen übersteigen sollten. Die Erträge blieben deutlich hinter den Prospektannahmen zurück.
  • Nach dem Brexit wurden die Verträge deutscher Kunden auf EU-Gesellschaften übertragen, Standard Life, Friends Provident und Royal London nach Irland, Clerical Medical nach Luxemburg. Zuständig ist damit nicht mehr die britische Aufsicht, und der britische Sicherungsfonds FSCS greift für diese Verträge nicht mehr.
  • Für Verträge, die zwischen dem 29. Juli 1994 und dem 31. Dezember 2007 nach dem Policenmodell geschlossen wurden, kann bei fehlerhafter Widerspruchsbelehrung ein Widerspruchsrecht bestehen. Verbraucherzentralen warnen zugleich vor gewerblichen Rückabwicklern und deren Kostenrisiken.
Britische Lebensversicherung: was von dem Renditeversprechen übrig geblieben ist
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Der Begriff britische Lebensversicherung stand in deutschen Verkaufsgesprächen der Jahre 1998 bis etwa 2010 für eines: höhere Renditen als bei deutschen Anbietern. Die Begründung klang plausibel. Britische Versicherer durften einen deutlich größeren Teil des Kapitals in Aktien anlegen, weil sie nicht an die deutschen Anlagegrenzen gebunden waren. Was dabei unterging, war die Kehrseite dieser Freiheit.

Vertragsunterlagen einer britischen Lebensversicherung mit Taschenrechner auf einem Tisch
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Was ist eine britische Lebensversicherung überhaupt?

Gemeint sind meist With-Profits-Policen, im Deutschen auch als Policen mit Gewinnbeteiligung bezeichnet. Der Sparanteil fließt in einen gemeinschaftlichen Anlagestock mit hoher Aktienquote. Die Erträge werden nicht jährlich vollständig gutgeschrieben, sondern über ein Verfahren namens Smoothing geglättet: In guten Jahren wird ein Teil zurückgehalten, in schlechten Jahren wird daraus ausgeglichen.

Der zweite Baustein ist der Schlussbonus, im Original Terminal Bonus. Er wird erst bei Ablauf zugeteilt und macht bei diesen Policen einen erheblichen Teil der Gesamtleistung aus. Genau dieser Teil ist nicht garantiert. Anders als bei klassischen deutschen Verträgen, die mit einem gesetzlich festgelegten Höchstrechnungszins kalkuliert wurden, gibt es bei With-Profits-Policen keine garantierte laufende Mindestverzinsung. Garantiert sind allenfalls einmal zugeteilte Boni und, je nach Tarif, ein Kapitalerhalt zum Ablauftermin.

  • Jährlicher Bonus: Wird laufend zugeteilt und ist danach in der Regel gesichert. Die Höhe legt der Versicherer jedes Jahr neu fest, ein Anspruch auf eine bestimmte Höhe besteht nicht.
  • Schlussbonus: Wird erst bei Ablauf oder im Todesfall zugeteilt und macht einen erheblichen Teil der Gesamtleistung aus. Bis zur Zuteilung ist er nicht garantiert.
  • Smoothing: Glättungsverfahren, das Erträge über gute und schlechte Jahre verteilt. Wie viel zurückgehalten wird, entscheidet der Versicherer nach eigenem Ermessen.
  • Marktpreisanpassung: Bei vorzeitigem Ausstieg außerhalb bestimmter Termine kann ein Abschlag greifen, im Original Market Value Reduction. Die Höhe hängt von der Marktlage ab.
  • Pooling: Das Kapital aller Versicherten liegt in einem gemeinsamen Fonds. Ein individuelles Depot mit nachvollziehbaren Einzelposten gibt es nicht.
MerkmalKlassische deutsche PoliceBritische With-Profits-Police
Anlagepolitiküberwiegend festverzinsliche Papiere, enge Anlagegrenzenhohe Aktienquote, größerer Spielraum
Verzinsunggarantierter Rechnungszins auf den Sparanteil plus Überschüssekeine garantierte laufende Mindestverzinsung, jährlicher Bonus plus Schlussbonus
TransparenzGarantiewerte in der Police ausgewiesenSmoothing und Bonusfestsetzung liegen im Ermessen des Versicherers
Leistung bei Ablaufgarantierte Ablaufleistung plus Überschussbeteiligunggroßer nicht garantierter Anteil im Schlussbonus
Aufsicht heuteBaFinnach Bestandsübertragung irische oder luxemburgische Aufsicht

MerkeDieser Beitrag ist allgemeine Verbraucherinformation und keine Anlage- oder Versicherungsberatung im Sinne von Paragraf 34d der Gewerbeordnung. Er enthält keine Produktempfehlung und keine Rechtsberatung. Ob in Ihrem Vertrag Ansprüche bestehen, kann nur eine Prüfung der konkreten Unterlagen klären, etwa durch die Versicherungsberatung der Verbraucherzentralen oder einen Fachanwalt für Versicherungsrecht.

Warum landeten diese Policen vor dem Bundesgerichtshof?

Das größte Problem entstand nicht durch das Produkt allein, sondern durch die Verpackung. Um die Jahrtausendwende wurden in Deutschland kreditfinanzierte Rentenmodelle verkauft. Anleger nahmen ein Darlehen auf, zahlten damit einen Einmalbetrag in eine britische Police ein und sollten aus laufenden Auszahlungsplänen mehr erhalten, als sie an Darlehenszinsen zahlten. Die Differenz war als Rente gedacht.

Die Erträge blieben deutlich hinter den Annahmen zurück. Betroffen waren vor allem Verträge des Typs Wealthmaster Noble der Clerical Medical Investment Group Ltd. Am 11. Juli 2012 entschied der Bundesgerichtshof in fünf Verfahren zugunsten der Anleger, darunter die Aktenzeichen IV ZR 122/11, IV ZR 151/11, IV ZR 164/11, IV ZR 271/10 und IV ZR 286/10. Der Senat stellte fest, dass Anleger die Zahlung entsprechend den vereinbarten Auszahlungsplänen verlangen können, und bejahte Schadensersatzansprüche wegen fehlerhafter Aufklärung im Vertrieb.

Kreditfinanzierte Vorsorgemodelle vervielfachen das Risiko. Wer eine Kapitalanlage mit einem Darlehen finanziert, trägt zwei Risiken gleichzeitig: das Anlagerisiko und die feste Zinsverpflichtung gegenüber der Bank. Bleiben die Erträge hinter dem Plan zurück, laufen die Zinsen trotzdem weiter. Die Bank hat einen unbedingten Anspruch, die Police nicht. Genau an dieser Konstruktion sind die Rentenmodelle der Jahre um 2000 gescheitert. Ein Vorsorgeprodukt, das nur mit Kredit funktioniert, ist für private Altersvorsorge grundsätzlich ungeeignet.

Der Fall bleibt auch deshalb lehrreich, weil er zeigt, wie weit Prospektannahmen und Wirklichkeit auseinanderliegen können. In den Unterlagen standen Beispielrechnungen mit hohen jährlichen Wertentwicklungen. Historische Wertentwicklungen und Modellrechnungen sind keine Prognose und erst recht keine Zusage. Das gilt für jede Kapitalanlage, es galt hier nur besonders sichtbar.

Was hat der Brexit für bestehende Verträge geändert?

Britische Versicherer verloren mit dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU den europäischen Pass, der ihnen den Vertrieb und die Verwaltung in Deutschland ohne eigene Zulassung erlaubte. Die betroffenen Gesellschaften reagierten mit Bestandsübertragungen: Standard Life, Friends Provident und Royal London übertrugen die Verträge deutscher Kunden auf Gesellschaften in Irland, Clerical Medical auf eine Gesellschaft in Luxemburg. Über die Zulässigkeit solcher Übertragungen entschied jeweils ein britisches Gericht, die BaFin brachte dabei die Interessen der deutschen Versicherungsnehmer ein.

Für Vertragsinhaber ist eine Folge wichtig: Zuständig ist seither die Aufsicht des neuen Sitzlandes, nicht mehr die britische. Der britische Sicherungsfonds Financial Services Compensation Scheme, der in älteren Ratgebertexten als Sicherheitsnetz genannt wird, schützt diese übertragenen Verträge nicht mehr. Irland und Luxemburg haben keine mit dem deutschen Sicherungsfonds Protektor vergleichbare Einrichtung für Lebensversicherungen. Prüfen Sie deshalb in Ihren Unterlagen, welche Gesellschaft heute Vertragspartner ist.

Aktenordner mit Versicherungsunterlagen und Standmitteilungen zur Prüfung eines Altvertrags
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Was sollten Inhaber eines Altvertrags jetzt tun?

  1. Vertragspartner klären. Sehen Sie in der letzten Standmitteilung nach, welche Gesellschaft und welches Sitzland dort genannt sind. Nach den Bestandsübertragungen weicht das häufig von der ursprünglichen Police ab.
  2. Werte trennen. Lassen Sie sich schriftlich aufschlüsseln, welcher Teil des Vertragswerts garantiert ist und welcher Teil auf noch nicht zugeteilte Boni entfällt. Nur der erste Teil ist sicher.
  3. Marktpreisanpassung erfragen. Viele With-Profits-Verträge erlauben bei vorzeitigem Ausstieg einen Abschlag, im Original Market Value Reduction. Fragen Sie nach der aktuellen Höhe, bevor Sie über eine Kündigung nachdenken.
  4. Widerspruchsrecht prüfen lassen. Bei Verträgen, die zwischen dem 29. Juli 1994 und dem 31. Dezember 2007 nach dem sogenannten Policenmodell zustande kamen, kann eine fehlerhafte Widerspruchsbelehrung ein fortbestehendes Widerspruchsrecht begründen. Das ist eine Einzelfallfrage und gehört in fachkundige Hände.
  5. Verjährung im Blick behalten. Schadensersatzansprüche aus Falschberatung unterliegen Verjährungsfristen. Wer Ansprüche vermutet, sollte die Prüfung nicht auf unbestimmte Zeit verschieben.
  6. Kosten des Vorgehens klären. Lassen Sie sich Honorar oder Erfolgsbeteiligung schriftlich beziffern, bevor Sie einen Auftrag erteilen.

Bei dem letzten Punkt ist Vorsicht angebracht. Verbraucherzentralen warnen ausdrücklich vor gewerblichen Rückabwicklern und Vertragsoptimierern, die mit hohen Rückzahlungen werben. Die Erfolgsbeteiligungen sind teils erheblich, und im Fall einer Niederlage tragen Verbraucher das Kostenrisiko. Die Versicherungsberatung der Verbraucherzentralen arbeitet gegen ein festes Honorar und ohne Beteiligung am Ergebnis.

Sind britische Policen heute noch eine sinnvolle Neuanlage?

Für den Vermögensaufbau in Deutschland ist diese Produktgattung heute ein Nischenthema, und die Argumente, mit denen sie einst verkauft wurde, sind größtenteils entfallen. Der Zugang zu Aktienmärkten ist über kostengünstige Fondssparpläne ohne Versicherungsmantel möglich, ohne Abschlusskosten in der Anfangsphase und ohne Bindung. Der Vorteil, den britische Anbieter gegenüber deutschen Versicherern durch ihre Anlagefreiheit hatten, ist damit kein Alleinstellungsmerkmal mehr.

Dahinter steht der grundsätzliche Einwand, den Verbraucherschützer seit Jahren gegen alle kapitalbildenden Policen erheben: Wer Risikoabsicherung und Geldanlage in einen Vertrag packt, bezahlt für die Verbindung. Abschluss- und Verwaltungskosten schmälern die Rendite des Sparanteils, und die Todesfallleistung fällt bei gleichem Beitrag niedriger aus als bei einer reinen Risikopolice. Die übliche Empfehlung lautet, beides zu trennen. Den Todesfallschutz übernimmt eine Risikolebensversicherung mit passender Versicherungssumme, den Vermögensaufbau ein separater, jederzeit verfügbarer Sparvorgang.

Wie sich die Kostenstruktur einer kapitalbildenden Police im Detail auswirkt und warum ein vorzeitiger Ausstieg meist teuer wird, erklärt der Beitrag zur Lebensversicherung und ihrem Rückkaufswert. Wo diese Bausteine in der Gesamtplanung stehen, ordnet der Überblick zur Altersvorsorge in drei Schichten ein.

Wenn Sie noch einen solchen Vertrag halten, holen Sie als Erstes eine aktuelle Standmitteilung mit garantiertem Wert, aktuellem Rückkaufswert und ausgewiesenem Abschlag bei vorzeitiger Kündigung ein. Ohne diese drei Zahlen lässt sich keine Entscheidung treffen, weder für das Halten noch für den Ausstieg.

Häufige Fragen zu Britische Lebensversicherung: was von dem Renditeversprechen übrig geblieben ist

Was ist eine britische Lebensversicherung?

Es handelt sich um einen Sammelbegriff für With-Profits-Policen britischer Versicherer, die einen großen Teil des Kapitals in Aktien anlegen und die Erträge über ein Glättungsverfahren namens Smoothing verteilen. Ein erheblicher Teil der Leistung steckt im Schlussbonus, der erst bei Ablauf zugeteilt wird und nicht garantiert ist. Eine garantierte laufende Mindestverzinsung wie bei klassischen deutschen Policen gibt es nicht.

Was hat der Bundesgerichtshof zu britischen Lebensversicherungen entschieden?

Am 11. Juli 2012 entschied der Bundesgerichtshof in fünf Verfahren zu Policen des Typs Wealthmaster Noble der Clerical Medical Investment Group, unter anderem IV ZR 122/11, IV ZR 151/11, IV ZR 164/11, IV ZR 271/10 und IV ZR 286/10. Anleger können danach die Zahlung entsprechend den vereinbarten Auszahlungsplänen verlangen, und es bestehen Schadensersatzansprüche wegen fehlerhafter Aufklärung im Vertrieb. Betroffen waren vor allem kreditfinanzierte Rentenmodelle aus der Zeit um die Jahrtausendwende.

Was ist mit meinem Vertrag nach dem Brexit passiert?

Die Verträge deutscher Kunden wurden vor dem Wegfall des europäischen Passes auf Gesellschaften innerhalb der EU übertragen. Standard Life, Friends Provident und Royal London wählten Irland, Clerical Medical Luxemburg. Zuständig ist seither die Aufsicht des neuen Sitzlandes, und der britische Sicherungsfonds FSCS greift für diese Verträge nicht mehr. Welche Gesellschaft heute Ihr Vertragspartner ist, steht in der aktuellen Standmitteilung.

Was bedeutet Smoothing bei einer With-Profits-Police?

Der Versicherer schreibt die Erträge nicht jährlich vollständig gut, sondern hält in guten Jahren einen Teil zurück, um in schlechten Jahren auszugleichen. Das dämpft Schwankungen der ausgewiesenen Werte. Kritisiert wird, dass die Höhe der zurückgehaltenen Beträge und die Festsetzung der Boni im Ermessen des Versicherers liegen und für Kunden schwer nachvollziehbar sind.

Kann ich eine britische Lebensversicherung widerrufen?

Bei Verträgen, die zwischen dem 29. Juli 1994 und dem 31. Dezember 2007 nach dem sogenannten Policenmodell zustande kamen, kann eine fehlerhafte oder fehlende Widerspruchsbelehrung ein fortbestehendes Widerspruchsrecht begründen. Ob das auf Ihren Vertrag zutrifft, ist eine Einzelfallfrage und muss anhand der Originalunterlagen geprüft werden. Verbraucherzentralen warnen vor gewerblichen Rückabwicklern mit hohen Erfolgsbeteiligungen und weisen auf das Kostenrisiko hin.

Lohnt sich eine britische Lebensversicherung heute noch als Neuabschluss?

Die früheren Verkaufsargumente greifen kaum noch, weil der Zugang zu Aktienmärkten heute über kostengünstige Fondssparpläne ohne Versicherungsmantel möglich ist. Verbraucherschützer raten grundsätzlich dazu, Risikoabsicherung und Vermögensaufbau zu trennen, statt beides in einem kapitalbildenden Vertrag zu bündeln. Eine Aussage über künftige Erträge kann niemand treffen, historische Wertentwicklungen sind keine Prognose.

Quellen

Die Inhalte wurden mit Hilfe von KI erstellt, jedoch durch die Redaktion geprüft am 1. August 2026