Eine alte Holzleiter als Handtuchhalter ist eine der beliebtesten Ideen für kleine Bäder, und sie funktioniert gut. Sie hat nur eine Eigenschaft, die ein Regal nicht hat: Sie steht nicht auf sich selbst, sondern lehnt. Das bedeutet, dass zwei Kräfte sie halten, nämlich die Reibung am Fuß und der Druck oben an der Wand. Fällt eine davon weg, fällt die Leiter.
Welcher Anlehnwinkel ist richtig?
Für Anlegeleitern, die bestiegen werden, gilt nach der Technischen Regel TRBS 2121 ein Anstellwinkel von 65 bis 75 Grad. Diese Zahl ist nicht direkt auf einen Handtuchhalter übertragbar, beschreibt aber den Bereich, in dem eine angelehnte Leiter mechanisch stabil steht. Für den Handtuchhalter sind 70 bis 75 Grad zur Waagerechten ein guter Kompromiss. Flacher als 65 Grad ragt die Leiter weit in den Raum, und die Kraft, die den Fuß nach vorn schiebt, steigt deutlich. Steiler als 80 Grad wird sie zur Stehleiter ohne Standfläche: Schon ein leichter Zug am unteren Ende bringt sie über die Kippkante nach vorn.
Rechnen Sie den Fußabstand aus dem Winkel. Der Abstand zur Wand ergibt sich als Leiterlänge mal Kosinus des Anstellwinkels. Bei einer Leiter von 180 Zentimetern Länge sind das bei 75 Grad rund 47 Zentimeter und bei 70 Grad rund 62 Zentimeter. Bei 200 Zentimetern Länge ergeben sich 52 beziehungsweise 68 Zentimeter. Diesen Platz muss das Bad hergeben, ohne dass die Leiter den Weg zur Dusche blockiert. In sehr kleinen Bädern ist eine an der Wand verschraubte Sprossenleiter oder ein klassischer Handtuchhalter die bessere Lösung; wie der montiert wird, steht im Beitrag zum Installieren eines Handtuchhalters im Badezimmer.
| Leiterlänge | Fußabstand bei 70 Grad | Fußabstand bei 75 Grad | Höhe der obersten Sprosse etwa |
|---|---|---|---|
| 150 Zentimeter | 51 Zentimeter | 39 Zentimeter | 141 bis 145 Zentimeter |
| 180 Zentimeter | 62 Zentimeter | 47 Zentimeter | 169 bis 174 Zentimeter |
| 200 Zentimeter | 68 Zentimeter | 52 Zentimeter | 188 bis 193 Zentimeter |
| 220 Zentimeter | 75 Zentimeter | 57 Zentimeter | 207 bis 212 Zentimeter |
Warum verändern nasse Handtücher die Standsicherheit?
Ein Frotteehandtuch nimmt beim Duschen ein Vielfaches seines Trockengewichts an Wasser auf. Aus einem leichten Tuch wird damit ein spürbarer Gewichtsbrocken, und dieser Brocken hängt nicht in der Leiterebene, sondern davor. Genau dort erzeugt er ein Moment, das die Leiter von der Wand wegdreht. Hängen zusätzlich alle Handtücher auf einer Seite, kommt eine seitliche Komponente dazu, und seitlich hat eine Leiter praktisch keine Standbreite.
Wiegen Sie im Zweifel nach: Legen Sie ein nasses Badetuch auf eine Küchenwaage und rechnen Sie das Ergebnis mal der Zahl der Tücher, die tatsächlich gleichzeitig hängen. Verteilen Sie die Last anschließend bewusst: schwere, nasse Tücher auf die unteren Sprossen, leichte Handtücher nach oben. Das senkt den Schwerpunkt und verkleinert den Hebel. Legen Sie Tücher über die Sprosse und nicht über den Holm, denn über dem Holm rutschen sie zur Seite und ziehen die Leiter mit.
Eine angelehnte Leiter im Haushalt mit Kindern gehört fest an die Wand. Kinder sehen in einer Leiter eine Kletteraufforderung, und sie ziehen sich am untersten erreichbaren Punkt hoch. Genau dieser Zug bringt eine angelehnte Leiter nach vorn. Verwenden Sie deshalb eine Kippsicherung, wie sie auch für hohe Regale vorgeschrieben ist: zwei Winkel oder Gurte, die den oberen Bereich mit der Wand verbinden, in tragfähigem Untergrund gedübelt. Bei Gipskartonwänden brauchen Sie geeignete Hohlraumdübel, bei Fliesen bohren Sie in die Fliese und nicht in die Fuge. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass die Leiter schwer ist.
Wie sichern Sie Fuß und Kopf der Leiter?
Der Fuß muss gegen Wegrutschen gesichert sein, der Kopf gegen seitliches Verrutschen und gegen Abheben. Beides zusammen macht aus einer gelehnten Leiter eine Konstruktion, auf die man sich verlassen kann. Auf Fliesen ist das besonders wichtig, weil dort Wasser steht und der Reibwert dann stark absinkt.
- Fußkappen: Gummi- oder Silikonkappen auf beide Holmenden setzen. Sie erhöhen die Reibung und schützen gleichzeitig die Fliese.
- Anschlagleiste: Eine schmale Leiste am Boden hinter den Holmen, verschraubt oder verklebt, verhindert das Wegrutschen mechanisch statt über Reibung.
- Wandanker oben: Zwei Flachwinkel, die den oberen Holmbereich mit der Wand verbinden, mit Langloch für die Schräglage.
- Wandschoner: Filz oder Gummi an den Auflagepunkten verhindert Abriebspuren an der Wandfarbe und erhöht dort die Reibung.
- Untergrund prüfen: In Trockenbauwänden nur mit geeigneten Hohlraumdübeln arbeiten, in Fliesen mit Fliesenbohrer und ohne Schlagwerk.
- Standprobe: Ziehen Sie am untersten Punkt kräftig nach vorn. Bewegt sich die Leiter, ist die Sicherung nicht ausreichend.
Darf man eine alte Leiter überhaupt umbauen?
Nur dann, wenn sie als Steiggerät endgültig ausgemustert ist. Sobald Sie bohren, kürzen, schleifen oder deckend lackieren, ist die Leiter kein geprüftes Arbeitsmittel mehr. Ein deckender Anstrich ist dabei besonders kritisch, weil er Risse in Holmen und Sprossen verdeckt, die man sonst bei der Sichtprüfung findet. Die Produktnorm DIN EN 131 und die Technische Regel TRBS 2121 setzen voraus, dass eine Leiter in ihrem Auslieferungszustand und regelmäßig geprüft verwendet wird. Ein umgebautes Exemplar erfüllt das nicht mehr.
Umgekehrt gilt: Eine Leiter, die wegen eines Risses im Holm oder einer gelockerten Sprosse aussortiert wurde, ist auch als Möbel nicht unbedenklich. Ein Riss wandert weiter, und eine Sprosse, die sich schon dreht, hält kein nasses Badetuch. Prüfen Sie deshalb jede Sprosse einzeln, indem Sie sie mit beiden Händen zu drehen versuchen, und belasten Sie jede Sprosse in der Mitte mit etwa 15 Kilogramm. Was dabei knackt oder nachgibt, wird ersetzt oder die Leiter wird verworfen. Für Arbeiten in der Höhe schaffen Sie sich eine eigene, geprüfte Leiter an; worauf es dabei ankommt, beschreibt der Beitrag über die Haushaltsleiter.
So bauen Sie den Handtuchhalter Schritt für Schritt
- Leiter prüfen. Holme auf Risse absuchen, jede Sprosse auf Drehen prüfen und mittig mit etwa 15 Kilogramm belasten. Beschädigte Exemplare aussortieren.
- Metall entfernen. Alte Beschläge, Krampen und vorstehende Nägel abbauen oder versenken, damit nichts in die Textilien greift.
- Schleifen. Körnung 80, dann 120, dann 180, besonders an allen Sprossenoberseiten. Frotteestoff zieht an jeder Faser einen Faden.
- Kanten runden. Sprossenkanten mit Radius 2 bis 3 Millimetern brechen, damit die Tücher nicht scharf abknicken und dort nicht durchscheuern.
- Oberfläche aufbauen. Zwei bis drei dünne Aufträge Hartwachsöl oder wasserbasierter Klarlack mit Zwischenschliff. Kein deckender Dickschichtlack, er platzt bei Feuchtewechsel ab.
- Stirnholz sättigen. Die Holmenden unten zusätzlich behandeln, weil Hirnholz dort das Wasser vom Boden aufsaugt.
- Winkel anzeichnen. Fußabstand nach Tabelle festlegen, Leiter anstellen und die Auflagepunkte oben markieren.
- Wandanker setzen. Zwei Flachwinkel mit Langloch in tragfähigem Untergrund verdübeln und mit den Holmen verschrauben.
- Fuß sichern. Rutschhemmende Kappen aufsetzen und bei glattem Untergrund zusätzlich eine Anschlagleiste am Boden befestigen.
- Beladen und prüfen. Mit nassen Handtüchern beladen, am untersten Punkt kräftig nach vorn ziehen und die Wandanker anschließend kontrollieren.
MerkeHängen Sie schwere, nasse Tücher auf die unteren Sprossen und leichte nach oben. Das senkt den Schwerpunkt, verkleinert den Hebel zur Wand und verkürzt außerdem die Trockenzeit, weil die feuchte Luft nach oben abzieht statt an weiteren nassen Tüchern vorbei.
Was macht die Badluft mit dem Holz?
Nach dem Duschen steigt die Luftfeuchte im Bad stark an, und nasse Tücher halten sie über Stunden oben. Holz nimmt diese Feuchte auf und gibt sie später wieder ab. Für Massivholzmöbel gilt ein Zielbereich von 40 bis 60 Prozent relativer Luftfeuchte; ein Bad überschreitet den regelmäßig. Lüften Sie deshalb nach dem Duschen konsequent mit weit geöffnetem Fenster für einige Minuten statt mit dauerhaft gekipptem Fenster, und schalten Sie eine vorhandene Lüftung nachlaufen lassen.
An den Sprossen entstehen die Schäden zuerst dort, wo das Tuch aufliegt und wo es am langsamsten trocknet. Kontrollieren Sie diese Stellen zweimal im Jahr. Wenn Wasser nicht mehr abperlt, schleifen Sie mit Körnung 180 an und ölen nach. Graue Verfärbungen lassen sich abschleifen, tiefschwarze Stellen sind meist Pilzbefall und bleiben im Holz. Wenn Sie noch mehr aus dem Leiterprinzip machen wollen, beschreibt der Beitrag über das Bücherregal aus Leitern die Variante mit eingelegten Böden, bei der zusätzlich die Durchbiegung der Ablagen zu berücksichtigen ist. Ziehen Sie die Wandanker nach den ersten vier Wochen einmal nach.
