Eine Tasche aus einem alten T-Shirt ist schnell zugeschnitten und schnell zusammengenäht. Sie hält trotzdem oft nur wenige Wochen, und die Ursache ist fast immer dieselbe: T-Shirt-Stoff ist Maschenware, wird aber wie Webware verarbeitet. Maschenware besteht aus ineinandergreifenden Schlingen, die sich unter Zug verschieben. Ein Geradstich kann das nicht mitmachen, er reißt. Dieser Text nennt die Nähparameter, die Maße und die drei Stellen, an denen selbst genähte Taschen tatsächlich aufgeben.
Warum reißt eine gerade Naht in Jersey?
Weil sich der Stoff dehnt und der Faden nicht. Baumwolljersey lässt sich quer zur Maschenreihe um 30 bis 60 Prozent auseinanderziehen, ohne Schaden zu nehmen. Ein Geradstich hat dagegen eine feste Fadenlänge je Zentimeter Naht. Ziehen Sie an der Naht, ist der Faden zuerst am Anschlag und reißt, während der Stoff noch lange nicht am Ende ist. Sie hören das als kurzes Knacken, und die Naht öffnet sich über mehrere Zentimeter.
Die Lösung ist ein Stich, der Fadenreserve mitbringt. Ein schmaler Zickzack legt den Faden im Zickzack, sodass er sich unter Zug strecken kann. Der Stretchstich vieler Haushaltsmaschinen macht dasselbe mit drei Stichen vor und zurück. Beides funktioniert. Ein Overlockstich versäubert zusätzlich die Kante, ist aber nicht zwingend, weil Jersey nicht ausfranst.
| Parameter | Empfehlung für Baumwolljersey | Was passiert bei falscher Wahl |
|---|---|---|
| Nadel | Jersey, Kugelspitze, 70/10 bis 80/12 | Universalnadel durchsticht den Maschenfaden, es entstehen Laufmaschen und Löcher |
| Stichart | Zickzack 0,5 bis 1 mm breit oder Stretchstich | Geradstich reißt unter Dehnung |
| Stichlänge | 2,5 bis 3 mm | unter 2 mm perforiert der Stich den Stoff auf einer Linie |
| Garn | Polyester Allesnäher, Stärke 100 bis 120 | Baumwollgarn hat weniger Reserve und reißt eher |
| Nahtzugabe | 1 cm | unter 7 mm zieht sich die Naht aus der Kante |
| Nähfußdruck | reduziert, wenn einstellbar | voller Druck dehnt die Lage unter dem Fuß, die Naht wellt sich |
| Stoffgewicht | 180 bis 200 g/m2, sonst doppellagig | 140 g/m2 einlagig beult unter Last aus |
Welches Shirt gibt eine brauchbare Tasche her?
- Größe: Ab Herrengröße L. Aus dem Rumpf eines L-Shirts gewinnen Sie zwei Zuschnitte von etwa 40 mal 45 Zentimetern, bei S bleibt zu wenig übrig.
- Grammatur: Schwere Shirts mit 180 bis 200 Gramm je Quadratmeter reichen einlagig. Leichte Shirts mit 140 bis 150 Gramm verarbeiten Sie doppellagig oder verstärken sie mit aufbügelbarer Vlieseinlage.
- Faser: Reine Baumwolle oder Baumwolle mit bis zu 10 Prozent Elasthan. Elasthan macht die Tasche elastischer, aber auch schlaffer.
- Vorwäsche: Einmal bei 40 Grad waschen und trocknen lassen. Baumwolljersey läuft im ersten Waschgang um bis zu 5 Prozent ein, und zwei unterschiedlich vorbehandelte Zuschnitte verziehen sich später gegeneinander.
- Druckmotive: Nur Bereiche verwenden, in denen der Druck nicht durch eine Naht läuft. Ein Plastisoldruck bricht unter der Nadel und macht die Naht steif.
- Kanten: Die vorhandenen Säume am Shirtsaum und an den Ärmeln sind bereits versäubert. Nutzen Sie sie als obere Taschenkante, das spart einen Arbeitsschritt.
Ein Nebeneffekt der Maschenstruktur: Die Schnittkante rollt sich ein, quer und längs in unterschiedliche Richtungen. Das ist kein Fehler und kein Grund, den Stoff zu verwerfen. Sie können die Rollkante als Gestaltungsmittel stehen lassen oder sie mit einem Dampfbügeleisen und Sprühstärke flach legen, bevor Sie nähen.
MerkeNähen Sie eine Probenaht auf einem doppelt gelegten Reststück, bevor Sie an die Tasche gehen. Ziehen Sie danach kräftig quer zur Naht. Reißt der Faden, ist der Stich zu starr oder die Fadenspannung zu hoch. Wellt sich der Stoff entlang der Naht, transportiert der Nähfuß mit zu viel Druck. Beides lässt sich am Reststück in zwei Minuten korrigieren.
Wie nähen Sie die Tasche Schritt für Schritt?
- Zuschnitt anlegen. Legen Sie das gewaschene Shirt flach und schneiden Sie zwei Rechtecke von 40 mal 45 Zentimetern aus Vorder- und Rückenteil, der vorhandene Saum bildet die obere Kante. Achten Sie darauf, dass bei beiden Teilen die Maschenreihen in dieselbe Richtung laufen.
- Griffe zuschneiden. Aus den Ärmeln oder dem Reststück schneiden Sie zwei Streifen von 60 mal 10 Zentimetern. Längs zur Hälfte falten, offene Kante schließen, wenden und flach bügeln. Fertige Breite etwa 4 Zentimeter.
- Seiten schließen. Beide Rechtecke rechts auf rechts legen und Seiten sowie Boden mit 1 Zentimeter Nahtzugabe im Zickzack oder Stretchstich zusammennähen. Ecken nicht abschneiden, die brauchen Sie im nächsten Schritt.
- Boxecken abnähen. Ziehen Sie jede untere Ecke so auseinander, dass Seiten- und Bodennaht übereinanderliegen, und nähen Sie 8 Zentimeter quer darüber. Schneiden Sie danach auf 1 Zentimeter zurück. Aus der flachen Tüte wird so eine Tasche mit 8 Zentimetern Bodenbreite, die aufrecht steht.
- Obere Kante versäubern. Wenn Sie den Originalsaum nicht verwenden konnten, schlagen Sie die Kante 2 Zentimeter nach innen um und steppen sie mit Zwillingsnadel oder Zickzack fest. Nicht dehnen beim Nähen, sonst wellt sich die Kante dauerhaft.
- Griffe setzen. Stecken Sie die Griffenden 4 Zentimeter tief von innen an, jeweils 10 Zentimeter von der Seitennaht entfernt. Nähen Sie ein Rechteck von etwa 4 mal 4 Zentimetern und ein Kreuz darin. Diese Naht überträgt Ihre gesamte Ladung auf zwei schmale Streifen.
- Belastungsprobe machen. Wenden Sie die Tasche, legen Sie etwa 6 Kilogramm hinein, zum Beispiel sechs Wasserflaschen zu einem Liter, und heben Sie sie zehnmal an. Sehen Sie sich danach beide Griffansätze und die Bodennaht an, bevor Sie die Tasche im Alltag benutzen.
Die Griffansätze halten die ganze Last, nicht der Stoff. Fast jede selbst genähte Stofftasche versagt zuerst dort, wo der Griff auf den Korpus trifft. An dieser Stelle wirkt das gesamte Gewicht auf eine Fläche von wenigen Quadratzentimetern, und bei Maschenware zieht sich der Stoff um die Naht herum lang, bis er einreißt. Legen Sie deshalb hinter jedem Griffansatz ein Stück Vlieseinlage oder ein doppelt gelegtes Stoffquadrat von etwa 6 mal 6 Zentimetern ein und nähen Sie Rechteck und Kreuz durch alle Lagen. Kontrollieren Sie die vier Ansatzpunkte nach den ersten fünf Einkäufen. Ein Riss beginnt sichtbar als aufgezogene Masche, lange bevor er durchgeht.
Wie viel trägt eine T-Shirt-Tasche?
Eine geprüfte Zahl gibt es nicht, denn Sie bauen ein Einzelstück ohne deklarierte Traglast. Die Grenze setzt nicht das Gewebe, sondern die Naht. Mit doppelt gelegtem Stoff, verstärkten Griffansätzen und einer zweiten Sicherungsnaht neben der Bodennaht sind 6 bis 8 Kilogramm im Alltag realistisch, also etwa der Inhalt eines normalen Wocheneinkaufs ohne Getränkekiste. Einlagig aus leichtem Jersey ohne Verstärkung sollten Sie deutlich darunter bleiben.
Der zweite Unterschied zum gekauften Beutel liegt in der Formstabilität. Jersey hat keine Steifigkeit, die Tasche fällt leer in sich zusammen und beult beladen aus. Wer eine Tasche will, die aufrecht stehen bleibt und Kanten hält, sollte nicht von Jersey ausgehen, sondern von einem festen Gewebe. Der Beitrag zur Upcycling-Tasche aus alten Jeans beschreibt diesen Weg mit Denim, das mit 300 bis 400 Gramm je Quadratmeter deutlich schwerer ist.
Netz oder geschlossene Tasche, was ist sinnvoller?
Aus demselben Shirt lassen sich zwei völlig verschiedene Dinge machen. Die geschlossene Tasche behält die Fläche und trägt über die Naht. Das Netz entsteht dagegen durch versetzte Einschnitte, die sich unter Zug zu Rauten öffnen, und trägt über schmale Stege zwischen den Schnittreihen. Beide Verfahren haben ihren Platz.
Nehmen Sie die genähte Tasche für alles Schwere, Kantige und Kleinteilige: Konserven, Flaschen, Mehl, Schrauben. Nehmen Sie das geschnittene Einkaufsnetz für Obst, Gemüse und Brot, weil es lüftet und zusammengeknüllt in die Jackentasche passt. Wer beides braucht, verarbeitet zwei Shirts und hat nach etwa anderthalb Stunden ein Paar, das sich ergänzt.
Was tun, wenn die Naht doch aufgeht?
Ein aufgeplatzter Griffansatz ist kein Totalschaden. Trennen Sie die alte Naht großzügig auf, legen Sie ein neues Verstärkungsquadrat unter und nähen Sie den Ansatz 1 bis 2 Zentimeter versetzt neu an. Nähen Sie nicht in die alten Einstichlöcher, denn dort ist die Maschenstruktur bereits geschwächt. Ist der Stoff um den Ansatz herum eingerissen, setzen Sie einen Flicken aus einem zweiten Shirt und den Griff darauf.
Bei einer aufgegangenen Seiten- oder Bodennaht gilt dasselbe Prinzip wie bei Kleidung: alte Naht 2 bis 3 Zentimeter über und unter der Fehlstelle auftrennen, Kanten plan legen, neu nähen und eine zweite Naht 2 bis 3 Millimeter daneben setzen. Die Technik dazu steht ausführlich im Beitrag über Kleidung reparieren und Löcher flicken. Waschen Sie die fertige Tasche bei höchstens 40 Grad und verzichten Sie auf den Trockner, weil Jersey dort weiter einläuft und sich verzieht.
