Ein Einkaufsnetz aus einem alten T-Shirt ist kein genähtes Behältnis. Es ist ein Stück Maschenware, dem man durch versetzte Einschnitte eine Netzstruktur gibt. Unter Zug öffnen sich diese Schlitze zu Rauten, das Material wird durchbrochen und dehnt sich weit über seine ursprüngliche Fläche hinaus. Genau darin liegt der Reiz des Verfahrens, und genau daraus ergeben sich seine Grenzen. Wer das Netz behandelt wie eine feste Tasche, hat nach dem dritten Einkauf eine aufgerissene Schnittkante.

Was unterscheidet das Netz von einer genähten Tasche?
Beide Projekte gehen vom selben Ausgangsmaterial aus, arbeiten aber gegensätzlich. Das Netz entfernt Material und lebt von der Dehnung. Die genähte Tasche behält die geschlossene Fläche und lebt von der Naht. Daraus folgen unterschiedliche Traglasten, unterschiedliche Packstücke und unterschiedlicher Aufwand.
| Merkmal | Geschnittenes Netz | Genähte Tasche |
|---|---|---|
| Verfahren | versetzte Schlitze im Gewebe, nur Boden genäht | zugeschnitten und rundum vernäht, Fläche bleibt geschlossen |
| Volumen | dehnt sich beim Beladen auf ein Vielfaches | fest durch den Zuschnitt vorgegeben |
| Sinnvolle Beladung | etwa 4 bis 5 Kilogramm, weiche und runde Ware | höher, abhängig von Naht und Griffen |
| Kleinteile | fallen durch die Maschen | bleiben drin |
| Nähaufwand | eine Bodennaht, etwa 10 Minuten | Seitennähte, Boden, Griffe, etwa 45 bis 60 Minuten |
| Packmaß leer | faustgroß, passt in die Jackentasche | größer, weil die Fläche nicht schrumpft |
| Schwachstelle | Steg zwischen zwei Schlitzreihen | Ansatzpunkt der Griffe |
Wenn Sie Mehl, Konserven und Flaschen transportieren wollen, ist das Netz die falsche Wahl. Bauen Sie dann lieber die geschlossene Variante nach der Anleitung zu Stofftaschen aus alten T-Shirts. Für Obst, Gemüse, Brot und Bäckertüten spielt das Netz seinen Vorteil aus: Es lüftet, es wiegt kaum etwas, und es passt zusammengeknüllt in jede Manteltasche.
Welches T-Shirt eignet sich, und welches nicht?
Nicht jedes Shirt ergibt ein brauchbares Netz. Die Materialzusammensetzung steht im Etikett am Nacken oder in der Seitennaht, und sie entscheidet über das Ergebnis mehr als die Größe.
- Faser: Reine Baumwolle oder Baumwolle mit höchstens 5 Prozent Elasthan. Ab etwa 5 Prozent Elasthan zieht sich jede geöffnete Raute nach dem Entlasten wieder zusammen, und das Netz bleibt eng.
- Grammatur: Leichte Shirts liegen bei 140 bis 150 Gramm je Quadratmeter, robuste bei 180 bis 200 Gramm. Nehmen Sie das schwerere Shirt, denn die Stege zwischen den Schlitzen tragen die gesamte Last.
- Größe: Ab Herrengröße L aufwärts. Aus einem Shirt der Größe S wird ein Netz, in das kaum mehr als zwei Brote passen.
- Zustand: Halten Sie das Shirt gegen ein Fenster. Sind dünne, helle Zonen unter den Achseln oder am Rücken zu sehen, ist die Faser bereits abgebaut und reißt an den Schnittkanten weiter.
- Ungeeignet: Funktionsshirts aus Polyester mit Elasthan, Feinripp und alles mit großflächigem Kunststoffdruck. Der Druck bricht an den Schnittkanten und blockiert die Dehnung genau dort, wo sie gebraucht wird.
- Vorwäsche: Waschen Sie das Shirt einmal bei 40 Grad, bevor Sie schneiden. Baumwolljersey läuft im ersten Waschgang um bis zu 5 Prozent ein, danach ist das Maß stabil.
Ein Punkt wird häufig übersehen: Jersey dehnt sich quer zur Maschenreihe stärker als längs. Bei einem T-Shirt bedeutet das mehr Dehnung im Brustumfang und weniger von der Schulter zum Saum. Ihre Schlitze müssen deshalb waagerecht liegen, also parallel zum unteren Saum. Nur dann öffnen sie sich beim Beladen.
Wie schneiden Sie das Netz Schritt für Schritt?
Rechnen Sie mit 30 bis 45 Minuten. Sie brauchen eine scharfe Stoffschere oder einen Rollschneider mit Schneidematte, ein Lineal, Kreide oder einen Trickmarker und für die Bodennaht eine Nähmaschine.
- Boden schließen. Wenden Sie das Shirt auf links und nähen Sie den unteren Saum zu. Setzen Sie zwei parallele Steppnähte im Abstand von 2 bis 3 Millimetern und beginnen und beenden Sie jede Naht mit 3 bis 4 Rückstichen. Reißt eine Naht, hält die zweite die Last.
- Ärmel abtrennen. Schneiden Sie beide Ärmel knapp innerhalb der Armkugelnaht ab. Die stehen gebliebene Naht versteift die Kante und verhindert, dass sich der Ausschnitt beim Tragen aufrollt.
- Halsausschnitt öffnen. Schneiden Sie den Ausschnitt in einem weiten U aus, sodass zwei Schulterstege von je etwa 4 bis 6 Zentimetern Breite stehen bleiben. Das sind Ihre Griffe. Schmaler geschnitten schneiden sie in die Hand.
- Schnittzone anzeichnen. Legen Sie das Shirt flach und markieren Sie oben und unten eine Sperrzone: 8 Zentimeter unter den Armausschnitten und 6 Zentimeter über der Bodennaht wird nicht geschnitten. Diese Ränder halten das Netz in Form.
- Schlitze setzen. Schneiden Sie durch beide Lagen waagerechte Schlitze von etwa 5 Zentimetern Länge. Die Schlitze einer Reihe stehen 3 bis 4 Zentimeter auseinander, und die nächste Reihe liegt 3 bis 4 Zentimeter darüber, jeweils um eine halbe Schlitzlänge versetzt. Zu den Seitennähten halten Sie mindestens 5 Zentimeter Abstand.
- Netz aufziehen. Greifen Sie das Shirt am Boden und an den Griffen und ziehen Sie kräftig in die Länge. Die Schlitze öffnen sich zu Rauten, das Stück wird deutlich länger und schmaler. Ziehen Sie einmal über die volle Länge durch, damit sich alle Reihen gleichmäßig setzen.
- Griffe verstärken. Legen Sie beide Schulterstege übereinander und steppen Sie sie auf etwa 5 Zentimetern Länge zusammen, mit einem Rechteck und einem Kreuz darin. Diese Naht ist der einzige Punkt, der Ihr gesamtes Ladegewicht auf zwei schmale Streifen überträgt.
MerkeMachen Sie die erste Schlitzreihe an einem Reststück des abgeschnittenen Ärmels. Ziehen Sie daran und messen Sie, wie weit sich die Rauten öffnen. Erst danach schneiden Sie am Shirt. Ein zu langer Schlitz lässt sich nicht rückgängig machen, ein zu kurzer dagegen jederzeit verlängern.
Wie viel darf in ein selbst geschnittenes Netz?
Weniger, als das Volumen vermuten lässt. Ein geschnittenes Jersey-Netz hat keine geprüfte Bruchlast und kein Etikett mit einer Kilogrammangabe. Was Sie beurteilen können, ist die Geometrie: Die Last läuft über die schmalen Stege zwischen zwei Schlitzreihen, und jeder Steg ist genau so breit wie der Reihenabstand, den Sie gewählt haben. Bei 3 Zentimetern Abstand tragen also Streifen von 3 Zentimetern Breite aus einem Material von 180 Gramm je Quadratmeter. Gekaufte gestrickte Baumwollnetze werden dagegen üblicherweise mit 10 bis 20 Kilogramm Belastbarkeit angegeben, weil dort keine Schnittkante existiert und die Fäden durchlaufen.
Bleiben Sie deshalb bei etwa 4 bis 5 Kilogramm, und beobachten Sie das Netz nach jedem Einkauf. Es gibt ein zuverlässiges Vorwarnzeichen: Sobald ein Schlitzende zu einem sichtbaren Loch aufgelaufen ist, das nicht mehr zurückgeht, hat der Steg dort begonnen zu reißen. Diese Stelle können Sie mit ein paar Handstichen sichern, bevor der Riss weiterläuft. Wie das bei Maschenware geht, steht im Beitrag zum Reparieren von Kleidung.
Keine kantige und keine punktuelle Last. Konservendosen, Glasflaschen, Buchecken und Werkzeug sind für ein Schnittnetz ungeeignet. Eine Kante legt sich in eine offene Raute und überträgt das gesamte Gewicht auf einen einzigen Steg, statt es auf viele zu verteilen. Der Steg reißt dann schlagartig, das Netz öffnet sich von unten, und der Inhalt fällt auf den Boden oder auf den Fuß. Schwere und harte Ware gehört in eine geschlossene, genähte Tasche oder in einen festen Korb.
Wie waschen und lagern Sie das Netz?
Baumwolljersey verliert nass an Festigkeit und dehnt sich unter Last stärker. Waschen Sie das Netz deshalb bei höchstens 40 Grad, ohne Bleichmittel und ohne Weichspüler, und wringen Sie es nicht aus. Legen Sie es flach zum Trocknen auf ein Handtuch, damit es sich nicht durch sein eigenes Nassgewicht in die Länge zieht. Der Trockner ist tabu.
Ein Netz, das sich mit der Zeit ausgeleiert hat, lässt sich teilweise zurückholen: Waschen Sie es bei 40 Grad und bügeln Sie es feucht in Form, wobei Sie es quer wieder zusammenschieben. Ganz auf das Ausgangsmaß kommen Sie nicht zurück. Rechnen Sie mit einer Nutzungsdauer von ein bis zwei Jahren bei wöchentlichem Einsatz. Danach ist das Material ausgereizt.
Wer mehrere Netze braucht, kommt schnell an den Punkt, an dem ein Shirt für ein Netz zu wenig hergibt. Aus Bettwäsche, Hemden und Kleidern lassen sich größere Zuschnitte gewinnen, dafür fehlt dort die Dehnung des Jerseys. Welche Textilien sich wie verarbeiten lassen, ordnet der Beitrag zu Einkaufstaschen aus alten Kleidern ein.
Welche Fehler treten beim Nachbauen am häufigsten auf?
- Schlitze zu lang: Über 6 Zentimeter Schlitzlänge werden die Rauten so groß, dass Äpfel und Zwiebeln durchrutschen. Bleiben Sie bei 4 bis 5 Zentimetern.
- Reihen zu eng: Unter 3 Zentimetern Abstand bleiben nur schmale Stege stehen, und der erste schwere Einkauf reißt sie durch.
- Bis zur Seitennaht geschnitten: Der Schlitz endet dann direkt an der Naht und läuft dort auf. Halten Sie 5 Zentimeter Abstand.
- Nicht versetzt geschnitten: Liegen die Schlitze übereinander statt versetzt, entsteht kein Netz, sondern eine Reihe paralleler Schnitte, die sich nicht öffnen.
- Boden einfach genäht: Eine einzelne Geradstichnaht am Boden ist die häufigste Ausfallstelle. Zwei parallele Nähte und Rückstiche kosten zwei Minuten mehr.
- Stumpfe Schere: Eine stumpfe Klinge zieht die Maschen, statt sie zu trennen, und die Schnittkante rollt sich unregelmäßig ein. Nutzen Sie eine Schere, die nur für Stoff verwendet wird, oder einen Rollschneider mit frischer Klinge.
Wenn Sie beim ersten Versuch unsicher sind, schneiden Sie zunächst nur jede zweite Reihe und ziehen Sie das Netz auf. Bleibt es Ihnen zu eng, ergänzen Sie die fehlenden Reihen nachträglich zwischen den vorhandenen. Andersherum funktioniert es nicht. Planen Sie für das erste Netz ein Shirt ein, dessen Verlust Sie nicht bedauern.
