Palettenregale: Feldlast, Anfahrschutz und Prüfpflicht

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Das Wichtigste in Kürze

  • Fachlast und Feldlast sind zwei getrennte Grenzen. Ein System mit 2.000 Kilogramm Fachlast kann bei nur 4.000 Kilogramm Feldlast liegen, dann sind trotz vier Ebenen nur zwei voll beladbar.
  • Übliche Feldbreiten sind 1.825, 2.700 und 3.600 Millimeter, übliche Rahmentiefen 800 und 1.100 Millimeter. Bei 1.100 Millimetern Rahmentiefe steht eine längs eingelagerte Europalette je Seite rund 50 Millimeter über.
  • Anfahrschutz muss nach DIN EN 15512 mindestens 400 Millimeter hoch sein, im Boden verankert werden und darf nicht mit dem Regal verbunden sein.
  • Gewerblich genutzte Regalanlagen brauchen eine wöchentliche Sichtkontrolle durch eine unterwiesene Person und mindestens alle zwölf Monate eine Inspektion durch eine befähigte Person nach DIN EN 15635.
  • Als Grenzwert gilt eine Verformung von höchstens 3 Millimetern quer zur Gangrichtung und 5 Millimetern in Gangrichtung. Darüber wird das Fach gesperrt oder instandgesetzt.
Palettenregale: Feldlast, Anfahrschutz und Prüfpflicht
Bild: KI generiert

Ein Palettenregal ist die schwerste Regalbauart, die man im Alltag zu sehen bekommt. Zwei verschraubte oder eingehängte Traversen tragen eine ganze Palette, ein Feld trägt mehrere Tonnen. Genau deshalb ist bei dieser Bauart nicht nur die Traglast geregelt, sondern auch der Betrieb: Wer ein Palettenregal gewerblich nutzt, muss es regelmäßig prüfen lassen. Dieser Beitrag erklärt die Maße, die Lastangaben und die Stelle, an der die Sache für den Privatgebrauch endet.

Palettenregal mit mehreren Ebenen und eingelagerten Europaletten
Bild: KI generiert

Woraus besteht ein Palettenregal?

Die Konstruktion hat nur wenige Bauteile. Senkrecht stehen Rahmen aus zwei Stützen, die durch Diagonalen und Horizontalen zu einem Fachwerk verbunden sind. Waagerecht liegen Traversen, meist als verschachteltes C-Profil gefertigt und punktverschweißt, bei hohen Lasten auch aus IPE-Profilstahl. Die Traversen werden in ein Lochraster im Rahmen eingehängt, üblich sind 70 Millimeter Rasterabstand. Damit lässt sich die Ebenenhöhe an die Ladehöhe der Paletten anpassen.

Die Traversen werden gegen unbeabsichtigtes Ausheben gesichert, üblicherweise mit Sicherungsstiften oder Steckbolzen. Diese Sicherung ist kein Detail. Fährt ein Stapler beim Einlagern die Traverse von unten an, hebt sie sich ohne Stift aus der Aufnahme, und die darüberliegende Ebene stürzt ab.

Was ist der Unterschied zwischen Fachlast und Feldlast?

Die Fachlast gibt an, wie viel eine einzelne Ebene zwischen zwei Rahmen tragen darf. Die Feldlast begrenzt die Summe aller Ebenen eines Feldes, denn diese Last läuft über die Rahmenstützen in den Boden. Beide Werte werden getrennt angegeben und sind nicht ineinander umrechenbar.

BeispielkonfigurationFachlastFeldlastWas daraus folgt
System mit vier Ebenen2.000 Kilogramm4.000 Kilogrammrechnerisch nur zwei Ebenen voll beladbar
Verstärkte Rahmen3.100 Kilogramm9.300 Kilogrammdrei Ebenen voll beladbar
Schweres Lagersystem2.400 bis 4.200 Kilogramm12 bis 20 TonnenRahmen ist hier nicht der Engpass

Die erste Zeile zeigt den typischen Planungsfehler. Vier Ebenen mit je 2.000 Kilogramm Fachlast klingen nach 8.000 Kilogramm im Feld. Liegt die Feldlast bei 4.000 Kilogramm, ist bei der Hälfte Schluss. Wer das übersieht, überlastet die Rahmenstützen, obwohl jede einzelne Ebene im grünen Bereich liegt. Prüfen Sie deshalb immer beide Zahlen und rechnen Sie die reale Beladung durch, bevor Sie bestellen. Wie die Begriffe bei kleineren Bauarten definiert sind, steht im Beitrag zu Schwerlastregalen.

MerkeAlle Lastangaben gelten für gleichmäßig verteilte Last auf beiden Traversen. Eine Palette, die nur auf einer Traverse aufliegt, oder ein schweres Einzelteil in der Traversenmitte erzeugt eine völlig andere Beanspruchung. Für Langgut wie Rohre und Bretter sind Palettenregale die falsche Bauart, dafür gibt es Kragarmregale.

Welche Maße passen zu welcher Palette?

Die Feldbreite richtet sich nach der Zahl der Paletten je Ebene. Übliche Feldbreiten sind 1.825, 2.700 und 3.600 Millimeter. Bei längs eingelagerten Europaletten mit dem Grundmaß 1.200 mal 800 Millimeter passen darauf zwei, drei oder vier Paletten. Die Rahmentiefe wird so gewählt, dass die Palette leicht übersteht und auf beiden Traversen sicher aufliegt: Bei 1.100 Millimetern Rahmentiefe ergibt sich für die Längseinlagerung ein Überstand von rund 50 Millimetern je Seite. Bei Quereinlagerung und 750 Millimetern Rahmentiefe sind es rund 25 Millimeter.

Die Ebenenhöhe ergibt sich aus der Ladehöhe der Palette plus Freiraum für das Ein- und Auslagern. Rechnen Sie Palettenhöhe, Ladehöhe und einen Zuschlag für die Hubbewegung zusammen und runden Sie auf das nächste Rastermaß auf. Regalhöhen von 2 bis 8 Metern sind Standard. Ab 7.500 Millimetern Oberkante Lagergut kommen zusätzlich die Anforderungen der Landesbauordnungen ins Spiel, dann wird die Anlage zum Bauvorhaben.

Wo ist Anfahrschutz vorgeschrieben?

Ein Rahmen aus dünnwandigem Stahlprofil verliert durch eine einzige Beule einen erheblichen Teil seiner Knicklast. Deshalb gilt: An den Eckbereichen von Regalen, die mit nicht leitliniengeführten Fördermitteln be- oder entladen werden, muss ein Anfahrschutz vorhanden sein. Die Anforderungen sind konkret.

  • Mindesthöhe: 400 Millimeter nach DIN EN 15512, damit der Schutz im Höhenbereich der Staplergabel und der Radabdeckung liegt.
  • Verankerung: vollständig im Hallenboden verdübelt. Ein nur angestellter oder am Rahmen befestigter Schutz leitet die Anprallenergie in das Regal statt in den Boden.
  • Trennung vom Regal: Der Anfahrschutz an den Eckbereichen darf nicht mit den Regalstützen verbunden sein. Anders ist es bei Stützenschutzeinrichtungen, die an allen Stützen sitzen und dort auch angeschraubt werden dürfen.
  • Kennzeichnung: gelb-schwarze Lackierung, damit der Schutz im Gang sichtbar bleibt.
  • Bauformen: Rammschutzecken, Rammschutzplanken oder Leitplanken in U- oder L-Form, je nach Gangführung.
Gelb schwarzer Anfahrschutz am Rahmenfuss eines Palettenregals
Bild: KI generiert

Welche Prüfpflicht gilt für Regalanlagen im Betrieb?

Für gewerblich genutzte ortsfeste Stahlregale gilt ein zweistufiges System. Mindestens einmal pro Woche prüft eine unterwiesene Person alle Regale visuell auf Schäden und Auffälligkeiten. Mindestens alle zwölf Monate folgt eine umfassende Inspektion durch eine befähigte Person nach DIN EN 15635. Befähigt heißt hier nicht erfahren, sondern qualifiziert nach TRBS 1203: einschlägige Berufsausbildung, Berufserfahrung im Regalbereich und aktuelle praktische Tätigkeit. Grundlage sind die Betriebssicherheitsverordnung, die Gefährdungsbeurteilung nach Paragraf 5 Arbeitsschutzgesetz und die DGUV Information 208-061. Nach jedem sichtbaren Anfahrschaden ist außerdem sofort eine Sonderprüfung fällig.

Bewertet wird nach einem Ampelsystem. Als Grenzwerte gelten eine Verformung von höchstens 3 Millimetern quer zur Gangrichtung und höchstens 5 Millimetern in Gangrichtung, gemessen mit einer Messlatte. Grün heißt beobachten, Orange heißt kennzeichnen und zeitnah instandsetzen, Rot heißt sofort entlasten und sperren. Ein rot bewerteter Rahmen wird nicht gerichtet, sondern ersetzt.

Verformte Regalstützen richtet man nicht nach. Ein Stahlprofil, das einmal geknickt war, hat seine Knicksteifigkeit verloren, auch wenn es nach dem Zurückbiegen wieder gerade aussieht. Betroffene Bauteile werden getauscht, und zwar durch Originalteile desselben Herstellers und derselben Baureihe. Bauteile verschiedener Systeme zu mischen ist unzulässig, weil Lochbild, Blechstärke und Traversenaufnahme nicht aufeinander abgestimmt sind.

Lohnt sich ein Palettenregal in der privaten Garage?

Die ehrliche Antwort lautet: meistens nicht. Ein Palettenregal ist auf Beladung mit Flurförderzeugen ausgelegt. Ohne Stapler oder Hubwagen bringen Sie keine beladene Palette in die zweite Ebene, und die Traglast von mehreren Tonnen je Fach nützt Ihnen nichts, wenn Sie von Hand einräumen. Für Werkstatt, Keller und Garage sind Fachbodenregale oder Weitspannregale die passendere Bauart, weil sie beladen werden können, ohne dass eine Maschine im Raum steht.

Dazu kommen drei harte Grenzen. Erstens die Bodenverankerung: Palettenregale werden im Boden verdübelt, das setzt eine tragfähige Bodenplatte voraus und ist in einer Tiefgarage oder auf einer Estrichfläche nicht ohne Weiteres möglich. Zweitens die Statik: Mehrere Tonnen auf wenigen Quadratmetern sind keine Größenordnung, die man ohne Prüfung ansetzt, und die Beurteilung gehört zum Tragwerksplaner, nicht ins Heimwerkerforum. Drittens die Herkunft: Gebrauchte Regalteile ohne Typenschild sind wertlos, weil ohne Hersteller, Typ und Baujahr niemand mehr sagen kann, welche Fach- und Feldlast gilt.

Wer trotzdem mit Paletten arbeitet, kann eine einzelne Ebene bodennah aufbauen und nur Material lagern, das sich von Hand bewegen lässt. Was in Werkstatt und Halle sonst noch an Bauarten infrage kommt, zeigt die Übersicht zu Industrieregalen.

Wie planen Sie eine Regalanlage richtig?

  1. Lastfall festlegen. Schwerste Palette wiegen, nicht schätzen. Diese Zahl mal zwei oder drei ergibt die benötigte Fachlast je Ebene.
  2. Feldlast rechnen. Alle geplanten Ebenenlasten addieren. Die Summe muss unter der Feldlast des Rahmens bleiben, sonst brauchen Sie stärkere Stützen.
  3. Feldbreite wählen. Zwei, drei oder vier Paletten je Ebene ergeben 1.825, 2.700 oder 3.600 Millimeter. Breitere Felder brauchen stärkere Traversen.
  4. Rahmentiefe abstimmen. 1.100 Millimeter für Längseinlagerung von Europaletten, 800 Millimeter für kleinere Ladeeinheiten. Der Überstand von rund 50 Millimetern je Seite ist gewollt.
  5. Gangbreite prüfen. Sie richtet sich nach dem eingesetzten Fördermittel und dessen Arbeitsgangbreite. Diesen Wert liefert der Staplerhersteller.
  6. Boden prüfen. Tragfähigkeit, Ebenheit und Dübeltauglichkeit klären, bevor die Anlage bestellt wird. Unterlegbleche gleichen kleine Unebenheiten aus, mehr nicht.
  7. Anfahrschutz einplanen. An allen Gangecken, mindestens 400 Millimeter hoch, im Boden verankert, nicht am Regal befestigt.
  8. Belastungsschilder anbringen. Fachlast, Feldlast, Hersteller, Typ und Baujahr gehören dauerhaft ans Regal. Ohne diese Angaben ist eine spätere Prüfung nicht durchführbar.
  9. Prüfrhythmus festlegen. Wochenkontrolle einer unterwiesenen Person und Jahresinspektion durch eine befähigte Person terminieren und dokumentieren.

Notieren Sie die Ergebnisse der Wochenkontrolle schriftlich, auch wenn nichts gefunden wurde. Bei einem Schadensfall ist die lückenlose Dokumentation der Punkt, an dem sich die Frage nach der Betreiberpflicht entscheidet.

Häufige Fragen zu Palettenregale: Feldlast, Anfahrschutz und Prüfpflicht

Wie oft muss ein Palettenregal geprüft werden?

Im gewerblichen Einsatz mindestens einmal pro Woche visuell durch eine unterwiesene Person und mindestens alle zwölf Monate durch eine befähigte Person nach DIN EN 15635. Nach jedem sichtbaren Anfahrschaden ist zusätzlich sofort eine Sonderprüfung nötig. Grundlage sind die Betriebssicherheitsverordnung und die DGUV Information 208-061.

Was ist der Unterschied zwischen Fachlast und Feldlast?

Die Fachlast gilt für eine Ebene zwischen zwei Rahmen, die Feldlast für alle Ebenen eines Feldes zusammen. Beide Werte werden getrennt angegeben. Ein System mit 2.000 Kilogramm Fachlast und 4.000 Kilogramm Feldlast erlaubt trotz vier Ebenen nur zwei voll beladene Fächer.

Wie hoch muss der Anfahrschutz sein?

Nach DIN EN 15512 mindestens 400 Millimeter. Er muss im Hallenboden verankert werden und darf an den Eckbereichen nicht mit den Regalstützen verbunden sein, damit die Anprallenergie nicht ins Regal geleitet wird. Üblich ist eine gelb-schwarze Lackierung.

Kann man eine verbogene Regalstütze richten?

Nein. Ein einmal geknicktes Stahlprofil hat seine Knicksteifigkeit dauerhaft verloren, auch wenn es nach dem Zurückbiegen gerade aussieht. Betroffene Bauteile werden gegen Originalteile desselben Herstellers und derselben Baureihe getauscht. Als Grenzwerte gelten 3 Millimeter Verformung quer zur Gangrichtung und 5 Millimeter in Gangrichtung.

Passt eine Europalette in jedes Palettenregal?

Nur wenn Feldbreite und Rahmentiefe zur Einlagerungsrichtung passen. Bei Längseinlagerung der 1.200 mal 800 Millimeter großen Europalette und 1.100 Millimetern Rahmentiefe steht die Palette je Seite rund 50 Millimeter über, was so gewollt ist. Übliche Feldbreiten von 1.825, 2.700 und 3.600 Millimetern fassen zwei, drei oder vier Paletten.

Ist ein Palettenregal für die private Garage sinnvoll?

In der Regel nicht. Ohne Stapler oder Hubwagen lässt sich keine beladene Palette in die oberen Ebenen bringen, außerdem verlangt die Bauart eine Bodenverankerung in tragfähigem Untergrund. Für Werkstatt und Keller sind Fachboden- oder Weitspannregale die passendere Wahl. Gebrauchte Regalteile ohne Typenschild sollten Sie nicht kaufen, weil die zulässigen Lasten nicht mehr feststellbar sind.

Quellen

Die Inhalte wurden mit Hilfe von KI erstellt, jedoch durch die Redaktion geprüft am 1. August 2026