Beleuchtung wird in den meisten Wohnungen an einem einzigen Punkt geplant, nämlich am vorhandenen Deckenauslass. Danach wird eine Leuchte gekauft, die dorthin passt, und der Rest ergibt sich. Das Ergebnis ist ein Raum mit einem hellen Fleck in der Mitte und dunklen Ecken. Wer stattdessen von den Tätigkeiten ausgeht, kommt mit derselben Anzahl Leuchten zu einem deutlich besser nutzbaren Raum.
Was leisten Grundlicht, Zonenlicht und Akzentlicht?
Grundlicht macht den Raum begehbar. Es sorgt für eine gleichmäßige Helligkeit, in der Sie sich orientieren, Möbel erkennen und niemanden übersehen. Typisch sind Deckenleuchten, Deckenfluter und breit strahlende Einbauleuchten. Grundlicht allein wirkt flach, weil es keine Schatten setzt und damit keine Tiefe erzeugt.
Zonenlicht beleuchtet eine Tätigkeit: lesen, kochen, schneiden, schminken, arbeiten. Es steht dort, wo die Aufgabe stattfindet, und ist deutlich heller als das Grundlicht. Eine Stehleuchte neben dem Sessel, eine Unterbauleuchte über der Arbeitsplatte, eine Pendelleuchte über dem Esstisch.
Akzentlicht hebt einzelne Dinge hervor: ein Bild, ein Regal, eine Pflanze, eine Wandstruktur. Es liefert wenig Lichtstrom, verändert die Raumwirkung aber am stärksten, weil es Kontraste erzeugt. Ohne Akzente sieht ein technisch korrekt beleuchteter Raum steril aus.
MerkeEine brauchbare Faustregel für Wohnräume lautet: mindestens drei Lichtquellen pro Raum, davon eine schaltbar unabhängig von den anderen. Drei getrennt schaltbare Kreise erzeugen mehr nutzbare Stimmungen als eine teure Leuchte mit Fernbedienung.
Wie viele Lumen braucht welcher Raum?
Lumen beschreibt den Lichtstrom einer Lampe, Lux die Beleuchtungsstärke auf einer Fläche. Ein Lux entspricht einem Lumen pro Quadratmeter. Für die Planung rechnet man mit Lumen pro Quadratmeter Grundfläche und legt einen Aufschlag darauf, weil ein Teil des Lichts in der Leuchte bleibt, an dunklen Wänden geschluckt wird oder in Richtungen strahlt, in denen er nicht gebraucht wird. Je nach Raum und Oberflächen werden dafür Verluste von etwa 30 bis 60 Prozent genannt.
| Raum oder Bereich | Lumen pro Quadratmeter | Zugeordneter Lux-Wert | Beispiel bei 20 Quadratmetern |
|---|---|---|---|
| Wohnzimmer | 100 bis 150 | Etwa 200 Lux | 2000 bis 3000 Lumen |
| Esszimmer | 100 bis 150 | Etwa 200 Lux | 2000 bis 3000 Lumen |
| Schlafzimmer | 80 bis 120 | Etwa 150 Lux | 1600 bis 2400 Lumen |
| Küche allgemein | 150 bis 200 | Etwa 300 Lux | 3000 bis 4000 Lumen |
| Küchenarbeitsfläche | 250 bis 300 | Etwa 500 Lux | Zusätzlich zum Grundlicht |
| Bad allgemein | 150 bis 200 | Etwa 250 Lux | Bezogen auf die Raumfläche |
| Bad am Spiegel | 250 bis 300 | Etwa 500 Lux | Beidseitig, nicht von oben |
| Arbeitszimmer | 250 bis 300 | Etwa 500 Lux | 5000 bis 6000 Lumen |
| Flur und Diele | 80 bis 100 | Etwa 100 Lux | 1600 bis 2000 Lumen |
Eine Einordnung gehört dazu: Die zugrunde liegenden Beleuchtungsstärken stammen aus der DIN EN 12464-1, die Arbeitsstätten regelt und in Deutschland über die ASR A3.4 verbindlich wird. Für Ihre Privatwohnung gilt keine dieser Vorschriften. Die Werte sind trotzdem brauchbar, weil das menschliche Auge zu Hause nicht anders funktioniert als im Büro. Wo Sie Ihren Steuerbescheid lesen, brauchen Sie Bürohelligkeit, egal welcher Raum es ist.
Welche Farbtemperatur passt wozu?
Die Farbtemperatur wird in Kelvin angegeben und beschreibt, ob Licht warm oder kühl wirkt. Niedrige Werte erscheinen gelblich, hohe bläulich. Die Zuordnung folgt der Nutzung, nicht der Jahreszeit.
- 2700 bis 3000 Kelvin: Warmweiß für Wohnzimmer, Schlafzimmer und Essbereich. Der Bereich, in dem Haut- und Holztöne gut aussehen.
- 3500 bis 4500 Kelvin: Neutralweiß für Küche, Bad und Arbeitszimmer. Sachlicher Eindruck, gute Erkennbarkeit von Farben und Details.
- 5000 bis 6500 Kelvin: Tageslichtweiß für Werkstatt, Keller und Hobbyraum. In Wohnräumen wirkt dieser Bereich am Abend unruhig.
- Farbwiedergabe: Der Ra-Wert, auch CRI genannt, sollte im Wohnbereich mindestens 80 betragen, für die Beurteilung von Farben eher 90 und mehr.
- Einheitlichkeit: Verwenden Sie in einem Raum nur eine Farbtemperatur. Zwei unterschiedliche Weißtöne nebeneinander fallen sofort auf und wirken wie ein Defekt.
- Dimmen: Einfache LED-Leuchtmittel behalten beim Dimmen ihre Farbtemperatur. Nur Modelle mit Dim-to-warm werden beim Herunterdimmen wärmer, ähnlich einer Glühlampe.
Welche Sockel, Lichtströme und Bauformen es bei Leuchtmitteln gibt und worauf Sie beim Austausch achten, steht im Beitrag darüber, wie Sie eine defekte Glühbirne austauschen. Prüfen Sie dort auch die Angaben zur Dimmbarkeit, denn ein nicht dimmbares Leuchtmittel an einem Dimmer flackert oder geht kaputt.
Wie vermeiden Sie Blendung?
Blendung tritt in zwei Formen auf. Direktblendung entsteht, wenn eine helle Lichtquelle im Blickfeld liegt, etwa ein freiliegender LED-Chip in einer offenen Leuchte oder ein Spot, der genau in Augenhöhe der Sitzposition strahlt. Reflexblendung entsteht, wenn sich eine Lichtquelle auf einer glänzenden Fläche spiegelt: auf dem Fernseher, auf der Arbeitsplatte, auf einer Glastischplatte oder auf einem Bildschirm.
Gegen Direktblendung helfen Leuchten mit Abschirmung, Diffusor oder tief eingebauter Lichtquelle. Setzen Sie Spots so, dass ihr Strahl nicht in die üblichen Sitz- und Blickachsen fällt, sondern auf Wände und Flächen. Gegen Reflexblendung hilft, das Licht seitlich statt frontal einzubringen, und im Bad bedeutet das: Leuchten links und rechts des Spiegels, nicht darüber. Eine Leuchte über dem Spiegel wirft Schatten in Augenhöhlen und unter das Kinn, genau dort, wo Sie beim Rasieren oder Schminken hinsehen.
Arbeiten an der 230-Volt-Installation gehören in Fachhände. Eine Leuchte an einen vorhandenen Deckenauslass anzuschließen, ist bei ausgeschalteter und gesicherter Zuleitung für sorgfältige Laien machbar, und die Schritte stehen im Beitrag darüber, wie Sie eine Lampe an der Decke installieren. Alles darüber hinaus ist etwas anderes: neue Leitungen verlegen, zusätzliche Auslässe setzen, Schalter und Dimmer nachrüsten, Kreise trennen. Das darf nur ein eingetragener Elektrofachbetrieb ausführen, und zwar nicht aus Förmlichkeit, sondern weil Fehler in der Installation Brände auslösen. Planen Sie diese Arbeiten deshalb, bevor gestrichen und tapeziert wird.
Wie gehen Sie bei der Planung konkret vor?
- Grundriss zeichnen. Raummaße, Fenster, Türen und Möbelstellplätze maßstäblich aufnehmen. Ohne Möbel lässt sich Licht nicht planen.
- Tätigkeiten eintragen. Markieren Sie, wo gelesen, gegessen, gekocht, gearbeitet und ferngesehen wird. Jede Markierung bekommt später eine eigene Lichtquelle.
- Lumen ausrechnen. Fläche mit dem Richtwert aus der Tabelle multiplizieren und einen Zuschlag für Verluste addieren. Bei dunklen Wänden und Böden den oberen Wert nehmen.
- Auf Leuchten verteilen. Grundlicht auf etwa die Hälfte des Gesamtwerts legen, den Rest auf Zonen- und Akzentlicht. Mehrere kleine Quellen wirken gleichmäßiger als eine große.
- Schaltkreise festlegen. Bestimmen Sie, was gemeinsam und was getrennt geschaltet wird. Dieser Punkt entscheidet über den Alltagsnutzen und lässt sich später nur mit Aufwand ändern.
- Höhen bestimmen. Über dem Esstisch werden für Pendelleuchten üblicherweise 60 bis 70 Zentimeter Abstand zur Tischplatte empfohlen. Die Montage beschreibt der Beitrag darüber, wie Sie eine Hängeleuchte über dem Esstisch befestigen.
- Blendung prüfen. Setzen Sie sich probeweise auf Sofa, Stuhl und Bett und schauen Sie in die geplanten Richtungen. Was Sie dabei direkt sehen, blendet später auch.
- Erst danach kaufen. Leuchtmittel mit passendem Lichtstrom, einheitlicher Farbtemperatur und ausreichendem Ra-Wert auswählen, nicht umgekehrt.
Was ändert sich mit den Jahreszeiten wirklich?
Weniger, als oft behauptet wird. Der Bedarf an Kunstlicht sinkt im Frühjahr, weil die Tage länger werden, die richtige Farbtemperatur für ein Wohnzimmer bleibt aber dieselbe. Sinnvoll ist im Frühjahr vor allem eines: das Tageslicht wieder freizumachen. Saubere Scheiben, zurückgebundene schwere Vorhänge und ein Spiegel gegenüber dem Fenster bringen mehr Helligkeit in einen Raum als jede zusätzliche Leuchte, und sie kosten keinen Strom.
Wer die Lichtfarbe dennoch umstellen möchte, kann in der Übergangszeit einzelne Zonenleuchten auf etwa 4000 Kelvin bringen, etwa am Arbeitsplatz oder in der Küche. Lassen Sie Wohnzimmer und Schlafzimmer bei 2700 bis 3000 Kelvin, sonst wirkt der Abend unruhig. Und notieren Sie sich beim nächsten Leuchtmittelkauf Sockel, Lumenwert und Kelvinzahl auf dem Kassenzettel, dann kaufen Sie beim Ersatz nicht versehentlich einen anderen Weißton.
