Die Frage nach dem richtigen Verbandkasten für zu Hause endet meistens im Nichts, weil es keine Norm für den Privathaushalt gibt. Es gibt nur Normen für das Auto und für Betriebe. Das ist keine Lücke, sondern eine Entlastung: Sie dürfen zusammenstellen, was zu Ihrem Haushalt passt, und die Normkästen liefern dafür eine geprüfte Grundausstattung.

Welche DIN-Normen gibt es für Verbandkästen?
Drei sind gebräuchlich. DIN 13164 beschreibt den Kfz-Verbandkasten, die aktuelle Fassung trägt das Datum Februar 2022 und gilt seit dem 1. Februar 2022. Der Kfz-Kasten ist in Deutschland Pflicht, und TÜV oder DEKRA prüfen bei der Hauptuntersuchung Vollständigkeit und Verfallsdaten. Nach Auskunft des ADAC werden dabei auch die älteren Ausgaben von Januar 1998 und Januar 2014 noch akzeptiert.
DIN 13157 beschreibt den kleinen Betriebsverbandkasten, oft als Verbandkasten C bezeichnet, mit einer 65-teiligen Füllung. DIN 13169 ist der große Betriebskasten, Verbandkasten E, mit ungefähr doppelten Mengen. Beide wurden 2021 überarbeitet. Zwei kleine Kästen ersetzen dabei rechnerisch einen großen. Neu aufgenommen wurden bei der Novelle Feuchttücher zur Reinigung unverletzter Haut sowie zwei medizinische Gesichtsmasken nach DIN EN 14683. Beim Kfz-Kasten kam ein zusätzliches Dreiecktuch hinzu, das große Verbandtuch im Format 40 mal 60 Zentimeter ist dort nicht mehr vorgeschrieben.
| Norm | Bezeichnung | Vorgeschrieben für | Umfang | Eignung für den Haushalt |
|---|---|---|---|---|
| DIN 13164:2022 | Kfz-Verbandkasten, Typ B | Kraftfahrzeuge in Deutschland | Kompakt, für unterwegs ausgelegt | Guter, günstiger Ausgangspunkt, aber knapp bei Pflastern |
| DIN 13157:2021 | Kleiner Betriebsverbandkasten, Typ C | Betriebe bis 20 Beschäftigte | 65 Teile | Beste Basis für eine Familie, mehr Fingerverbände und Pflaster |
| DIN 13169:2021 | Großer Betriebsverbandkasten, Typ E | Größere Betriebe | Etwa doppelte Mengen von Typ C | Für einen Privathaushalt in der Regel überdimensioniert |
| Keine Norm | Haushaltsset | Nichts | Herstellerabhängig | Inhalt vorher Stück für Stück prüfen, Qualität schwankt stark |
Der praktische Rat lautet deshalb: Kaufen Sie einen Kasten nach DIN 13157 und ergänzen Sie ihn. Sie bekommen damit sterile Wundauflagen, Verbandpäckchen in mehreren Größen, Fingerverbände, Kompressen, Dreiecktuch, Rettungsdecke, Einmalhandschuhe, Verbandschere und eine Anleitung zur Ersten Hilfe in geprüften Mengen. Ein Kfz-Kasten tut es auch, ist aber bei Pflastern und Fingerverbänden schnell leer, weil im Straßenverkehr andere Verletzungen erwartet werden als in der Küche.
Wie lange ist Verbandmaterial haltbar?
Steriles Material verliert seine Sterilität, wenn die Verpackung altert oder beschädigt wird. Deshalb trägt jedes einzelne Teil ein Verfallsdatum, und dieses Datum gehört kontrolliert, nicht der Kasten als Ganzes. Die Angaben der Hersteller gehen weit auseinander. Verbreitet sind 4 bis 5 Jahre ab Herstellung, einzelne Hersteller weisen für sterile Verbandstoffe eine Haltbarkeit von bis zu 20 Jahren aus. Verlassen Sie sich im Zweifel auf den kürzeren Wert und auf das, was auf Ihrer Packung steht.
Nicht steriles Material wie Dreiecktuch, Schere oder Rettungsdecke hat kein Verfallsdatum, altert aber trotzdem. Rettungsdecken werden brüchig, Pflasterkleber verhärtet, Gummihandschuhe werden klebrig. Prüfen Sie beim jährlichen Durchgang jede Packung auf Risse, Feuchtigkeitsflecken und Verfärbungen. Lagern Sie den Kasten kühl, trocken und geschützt vor Verschmutzung, also nicht im Bad und nicht auf dem Fensterbrett.
Ein abgelaufenes Verbandpäckchen ist besser als gar keins. Wenn im Ernstfall nur abgelaufenes Material da ist, benutzen Sie es. Sterilität ist bei einer stark blutenden Wunde nachrangig gegenüber dem Stoppen der Blutung. Das ist aber kein Argument dafür, den Kasten nicht aufzufüllen: Tauschen Sie abgelaufene Teile einzeln nach, statt jedes Mal einen kompletten neuen Kasten zu kaufen. Notieren Sie das früheste Verfallsdatum außen auf dem Deckel, dann brauchen Sie den Kasten nur einmal im Jahr zu öffnen.
Was gehört zusätzlich in den Haushalt?
- Kühlkompresse: Für Prellungen und Verstauchungen. Nie direkt auf die Haut legen, sondern in ein Tuch wickeln, sonst drohen Kälteschäden.
- Zeckenzange oder Zeckenkarte: Wer einen Garten oder einen Hund hat, braucht sie mehrmals im Jahr. Zecken werden hautnah gefasst und gerade herausgezogen, nicht gedreht und nicht beträufelt.
- Pinzette mit feiner Spitze: Splitter, Dornen, Glassplitter. Die Verbandschere aus dem Normkasten hilft dabei nicht.
- Mehr Pflaster als vorgesehen: Der Normkasten deckt Betriebsunfälle ab. In einem Haushalt mit Kindern ist die Pflasterschachtel der am schnellsten leere Posten.
- Notrufnummern auf Papier: Notruf 112, Giftinformationszentrum des Bundeslandes, ärztlicher Bereitschaftsdienst, Hausarzt. Auf einer Karte im Deckel, weil das Handy leer sein kann.
- Fieberthermometer: Gehört nicht in den Verbandkasten, aber daneben. Ohne Messwert ist jede Einschätzung eine Vermutung.
- Persönliche Medikamente: Notfallmedikamente von Familienmitgliedern gehören griffbereit und getrennt gelagert, dazu passt die Medikamententasche für unterwegs.
Wo bewahre ich den Verbandkasten auf?
- Einen Ort festlegen. Alle im Haushalt müssen ihn kennen, auch Besuch und Babysitter. Ein zweiter Kasten im Keller nützt nichts, wenn niemand davon weiß.
- Nicht ins Bad. Warme, feuchte Luft schadet Klebstoffen und Verpackungen. Flur, Abstellraum oder Küchenschrank sind besser.
- In Griffhöhe hängen. Wandhalterung auf etwa 1,40 Meter, erreichbar ohne Leiter, aber außerhalb der Reichweite kleiner Kinder.
- Nichts davorstellen. Der Zugang muss jederzeit frei sein, das gilt genauso wie bei der Halterung für den Feuerlöscher.
- Einen Zweitkasten deponieren. Bei mehreren Etagen oder einer Werkstatt lohnt ein zweiter Satz Material am zweiten Ort.
- Jährlich prüfen. Feste Erinnerung im Kalender, zum Beispiel zusammen mit dem Batteriewechsel bei den Rauchmeldern in der Wohnung.
- Nach jedem Gebrauch auffüllen. Der häufigste Grund für einen leeren Kasten ist nicht das Verfallsdatum, sondern die letzte Schnittwunde.
MerkeDas Material ist der kleinere Teil. Das Deutsche Rote Kreuz rät, die Erste-Hilfe-Kenntnisse alle zwei bis drei Jahre in einem Kurs aufzufrischen, und stellt fest, dass der letzte Kurs bei vielen Menschen mehr als zehn Jahre zurückliegt. Ein Auffrischungskurs dauert üblicherweise einen Tag. Für den Ernstfall gilt die Leitformel Prüfen, Rufen, Drücken: Reagiert die Person, Notruf 112 wählen, dann 5 bis 6 Zentimeter tief und 100 bis 120 Mal pro Minute auf die Mitte des Brustkorbs drücken, bis der Rettungsdienst da ist.
Was können Sie selbst versorgen, und wann rufen Sie an?
Kleine Schnitt- und Schürfwunden reinigen Sie mit klarem Wasser und decken sie keimfrei ab. Verbrennungen kühlen Sie mit handwarmem bis kühlem Wasser für einige Minuten, aber nicht mit Eis und nicht großflächig, weil sonst die Körpertemperatur absackt. Nasenbluten: Kopf nach vorn, Nasenflügel zusammendrücken, kühlen Umschlag in den Nacken. Das ist der Bereich, den ein Verbandkasten abdeckt.
Rufen Sie den Notruf 112, wenn eine Blutung sich nicht stoppen lässt, wenn eine Person bewusstlos ist oder nicht normal atmet, bei Verdacht auf Schlaganfall oder Herzinfarkt, bei großflächigen oder tiefen Verbrennungen, bei Stromunfällen und immer dann, wenn Sie unsicher sind. Bei Vergiftungsverdacht wählen Sie das Giftinformationszentrum Ihres Bundeslandes und halten die Verpackung des Stoffes bereit. Legen Sie diese Nummern zusammen mit dem Namen und der genauen Adresse Ihres Wohnorts als Zettel in den Deckel des Kastens.
